StarCraft: KI-Bot Pluto schlägt Profis auf der Remastered-Ladder
Von Magnus Ohle Veröffentlicht 4 Minuten LesezeitAuf der offiziellen Rangliste von StarCraft: Remastered sorgt derzeit ein ungewöhnlicher Gegner für Aufsehen: Der KI-Bot Pluto taucht unter dem Account ^333^ in regulären Brood-War-Partien auf und hat bereits bekannte Spieler wie Paralyze, Larva, Iris und Ret geschlagen. Hinter dem Ladder-Auftritt steckt allerdings offenbar nicht das Team, das Pluto entwickelt hat.
Pluto selbst ist ein Forschungsprojekt für StarCraft: Brood War. Das Modell wurde per Reinforcement Learning und Self-Play trainiert und steuert Terraner, Zerg und Protoss mit demselben neuronalen Netzwerk. Wer das klassische Spiel und seine heutige Battle.net-Fassung einordnen möchte, findet die dauerhaften Grundlagen auf unserer Übersichtsseite zu StarCraft: Remastered.
Der Ladder-Einsatz ist laut KI-Community nicht autorisiert
Der entscheidende Haken: Mitglieder der Brood-War-KI-Community distanzieren sich ausdrücklich von den öffentlichen Ranglistenpartien. In einem Thread auf TeamLiquid erklärt Bruce Nielsen aus der Szene, Pluto sei ursprünglich über BWAPI für die ältere Version 1.16.1 entwickelt worden. Der Autor habe zwar bereits private menschliche Testpartien in Remastered ermöglicht, die Community habe aber gerade nach einer Lösung gesucht, bei der Spieler gegen den Bot antreten können, ohne ihn auf die normale Ladder loszulassen.
Nach Darstellung der Community hat eine außenstehende Person Pluto anschließend selbst für Remastered angepasst und unter ^333^ auf die öffentliche Rangliste gebracht. Zusätzlich wird der dort eingesetzten Version ein Maphack vorgeworfen. Das ist bislang eine Aussage aus der KI-Community und keine bestätigte Feststellung von Blizzard. Die entsprechenden Matches sind damit ohnehin kein sauberer Mensch-gegen-KI-Leistungstest.
So sieht Pluto gegen einen Top-Spieler aus
Ein Replay gegen den koreanischen Protoss-Spieler Paralyze zeigt, warum der Bot trotzdem so viel Aufmerksamkeit bekommt. StarCraft-Kommentator Artosis hat die Partie vollständig analysiert: Pluto spielt eine ausgesprochen unkonventionelle Terraner-Armee aus Marines, Medics, Siege Tanks, Ghosts, einem Wraith und sogar einem einzelnen Firebat. Gleichzeitig werden Einheiten an mehreren Fronten separat kontrolliert.
Besonders auffällig ist die Mikrokontrolle. Der Wraith wird gezielt gegen High Templar eingesetzt, Ghosts setzen Lockdown ein, während andere Verbände parallel kämpfen. Perfekt ist der Bot dabei nicht: In der gezeigten Partie landet ein Lockdown sogar auf einem eigenen Siege Tank. Auch gegen Larva soll Pluto mit einer sehr ungewöhnlichen Massenproduktion aus Marines und Medics gewonnen haben, ohne sich an typische menschliche Build-Konventionen zu halten.
Warum die angezeigten Tausenden APM täuschen
Die Replays zeigen teils absurd hohe APM-Werte. Laut Plutos öffentlichem Projektcode trifft das eigentliche Modell aber nur eine Aktion alle sechs Frames. In der üblichen Spielgeschwindigkeit entspricht das rund 240 Modellaktionen pro Minute. Wenn eine dieser Entscheidungen beispielsweise zwölf Einheiten gleichzeitig bewegt, zerlegt StarCraft den Befehl intern in mehrere einzelne Kommandos – und der sichtbare APM-Zähler steigt entsprechend stark an.
Das bedeutet nicht, dass Pluto menschlichen Einschränkungen unterliegt. Ein Bot muss weder einen Mauszeiger bewegen noch seinen Bildschirm zwischen zwei Kampfstellen verschieben und kann Gruppen parallel präziser kontrollieren. Die bloße Zahl von mehreren Tausend APM beschreibt deshalb schlecht, wie häufig das neuronale Netzwerk tatsächlich neue Entscheidungen trifft.
Pluto wurde eigentlich für einen KI-Wettbewerb gebaut
Das Open-Source-Projekt beschreibt Pluto als eine einzige neuronale Policy, die sämtliche drei Rassen, Matchups, Builds und Einheiten kontrolliert. Trainiert wurde sie durch Self-Play statt über fest codierte Build-Orders. Beim StarCraft-KI-Wettbewerb der Computer Olympiad 2026 setzte sich Pluto bereits gegen andere Bots durch.
Gerade deshalb ist der aktuelle Ladder-Fall interessant: Er zeigt erstmals einem breiteren Publikum, wie stark moderne Reinforcement-Learning-Systeme in dem mehr als 25 Jahre alten Echtzeitstrategiespiel geworden sind – gleichzeitig aber auch, warum ein unangekündigter Bot mit möglicher zusätzlicher Sicht auf der normalen Rangliste kein fairer Benchmark ist. Die KI-Community hat den Account nach eigener Aussage bei Blizzard gemeldet.
Quellen: TeamLiquid/Brood-War-AI-Community, öffentliches Pluto-Projekt auf GitHub und die aktuelle Berichterstattung von Dexerto. Der eingebettete Replay-Cast stammt von Artosis.