EA Sports FC 27 im deutschen Test-Roundup: Der Rasen überzeugt, The Grounds spaltet
Von Magnus Ohle Veröffentlicht 11 Minuten LesezeitDie bislang veröffentlichten deutschen Tests zu EA SPORTS FC 27 fallen überwiegend positiv aus – allerdings keineswegs vorbehaltlos. Fast überall wird das eigentliche Fußballspiel auf dem Rasen als spürbar verbessert beschrieben. Gleichzeitig gehen die Urteile darüber auseinander, ob The Grounds die große Frischzellenkur ist, die EA gebraucht hat, oder nur ein schickerer Weg zu mehr Progression, Währungen und Monetarisierung.
Das erwartet dich hier
Das macht die frühe Testlage ungewöhnlich interessant. Statt eines simplen „besser als FC 26“ zieht sich durch die deutschen Reviews ein ziemlich klares Muster: Manuelles Verteidigen, Ballverhalten und Laufwege überzeugen – Karriere und Ultimate Team legen sinnvoll nach – The Grounds polarisiert – Mikrotransaktionen bleiben ein zentraler Kritikpunkt.
Wichtig dabei: Das Bild ist noch nicht vollständig. Der reguläre Release von EA SPORTS FC 27 ist erst am 25. September. Große Redaktionen wie GameStar und PC Games halten ihre finalen Tests bewusst zurück, bis Online-Betrieb, Matchmaking und Langzeitmodi unter realistischeren Bedingungen geprüft sind.
Die deutschen Tests im Überblick
| Medium | Wertung | Kernaussage |
|---|---|---|
| play3 | 8,5/10 | The Grounds begeistert, Gameplay sinnvoll verbessert; Karriere und FUT entwickeln sich nur in kleineren Schritten weiter. |
| Eurogamer.de | 4/5 | Sehr umfangreiches, gutes Fußballpaket mit starkem The Grounds – aber klarer Kritik an Pay-to-win und Monetarisierung. |
| inGame | ohne Zahl | „Bestes FC seit Jahren“: starkes Gameplay, gute Karriere, aber Balancing, Währungszoo und Ultimate-Team-Strukturen bleiben Baustellen. |
| TVMovie | ohne Zahl | Das Spielgefühl wirkt erstmals seit Jahren wieder spürbar anders; The Grounds und Karriere bringen Fortschritte, aber keinen Neustart der Reihe. |
| 4P | vorläufig, ohne finale Zahl | Reaktiv und präzise auf dem Platz, riesiger Umfang – gleichzeitig alte Bugs, überladene Menüs und allgegenwärtige Monetarisierung. |
| PC Games | noch kein finaler Test | Frühe Eindrücke loben Karriere und das neue Spielgefühl, reagieren auf The Grounds aber deutlich skeptischer. |
Schon diese Übersicht zeigt: Die Unterschiede liegen weniger darin, ob FC 27 Fortschritte macht, sondern darin, welche Fortschritte die Redaktionen für relevant halten. Vor allem The Grounds wird beinahe zum Lackmustest dafür, was man von einem modernen EA-Fußballspiel erwartet.
Auf dem Platz herrscht der größte Konsens
Beim Kern-Gameplay liegen die deutschen Stimmen erstaunlich nah beieinander. Das manuellere Verteidigen wird fast durchgehend positiv bewertet. EA nimmt der CPU im Wettbewerbsmodus einen Teil der Arbeit ab und zwingt Spieler stärker dazu, selbst den richtigen Verteidiger zu wählen, Räume zu schließen und Tacklings sauber zu timen.
play3 beschreibt das als sinnvolle Optimierung: Die KI-Abwehr hält sich stärker zurück, während kontrollierte Verteidiger direkter reagieren. inGame kommt zu einem ähnlichen Ergebnis und hebt hervor, dass Zufallsabpraller nach eigentlich erfolgreichen Tacklings seltener geworden seien. PC Games schreibt in seinen ersten Eindrücken sogar, FC 27 fühle sich dadurch „erstmals seit vielen Jahren“ wieder wirklich anders an.
Auch abseits der Defensive fällt der Tenor positiv aus. Laufwege wirken nachvollziehbarer, Angreifer korrigieren ihre Bewegung eher vor dem Abseits, und das neue Off-Balance-Dribbling soll technisch starke Spieler nach Kontakt öfter auf den Beinen halten. TVMovie lobt zusätzlich, dass Partien weniger steril wirken: mehr kleine Fehler, mehr Mittelfeldchaos, mehr Fouls und mehr Situationen, die nicht aussehen, als seien sie komplett vorchoreografiert.
Aber genau hier beginnen auch die ersten Warnzeichen. inGame hält Durchsteckpässe teilweise für zu mächtig und beschreibt Tacklings, bei denen der Ball nach der Balleroberung zu stark am Fuß des Verteidigers klebt. PC Games sieht weiterhin eine unangenehme Lücke zwischen den Schwierigkeitsgraden Professional und Weltklasse. Eurogamer wiederum stört sich am hohen Tempo des kompetitiven Spielmodus.
Der Konsens lautet deshalb nicht „Gameplay gelöst“, sondern eher: FC 27 hat auf dem Rasen die richtige Richtung eingeschlagen, aber das Balancing ist noch nicht fertig.

The Grounds: Volltreffer oder hübscher Umweg?
Kein Feature spaltet die deutschen Tests so deutlich wie The Grounds. Der offene Social-Hub ersetzt die klassische Menüstruktur von Clubs nicht komplett, legt aber eine begehbare Welt darüber: drei Bezirke, Straßenfußball, Kleinfeldvarianten, Minispiele, Mentoren, Clubs-Zugänge und bis zu 100 Spieler in derselben Umgebung.
play3 ist davon klar angetan. Die Redaktion hebt die unterschiedlichen Fußballkulturen der Bezirke hervor – Montclair für französischen Stadtfußball, Zeiza für argentinischen Potrero-Stil, Parkside für britische Arbeiterklassen-Tradition – und sieht in den wechselnden Kleinfeldformaten echte Abwechslung. Im Fazit nennt play3 The Grounds ausdrücklich die „wahre Neuerung“ des Jahrgangs.
Eurogamer.de gefällt die Idee ebenfalls. Der Test sieht in dem Modus weit mehr als eine große Lobby und hebt die Mischung aus Minispielen, kleineren Matches und Clubs-Anbindung hervor. Gleichzeitig sitzt dort aber der schärfste Haken: Die Charakterentwicklung kommt laut Eurogamer nicht ohne Pay-to-win-Anreize aus. Damit wird ausgerechnet EAs größtes neues Feature zum sichtbarsten Beispiel für die alte Monetarisierungsdebatte.
inGame landet zwischen diesen Polen. Atmosphäre und Street-Fußball-Flair stimmen, doch der Umfang wirke zum Start noch dünn und die zusätzliche Währung samt Cosmetic-Shop könne schnell ermüden. TVMovie wiederum sieht The Grounds vor allem als sozialen Mehrwert für Gruppen: Wer mit Freunden unterwegs ist, bekommt viele Spielformen und gemeinsame Aktivitäten. Wer dagegen nur schnell ein Match oder eine Karriere starten möchte, braucht die offene Welt nicht zwingend.
Und dann ist da PC Games, das den Gegenpol fast schon demonstrativ besetzt: Redakteur Matthias Dammes brach seinen ersten Ausflug nach wenigen Minuten ab, weil ihm der Hub zu weit vom eigentlichen Fußball entfernt war. Das ist keine finale Testwertung, aber als Reaktion wichtig – denn es zeigt, dass The Grounds für einige Fans genau das Problem verkörpert, das andere als frische Idee feiern.
Damit ist die entscheidende Frage nicht, ob The Grounds „gut“ oder „schlecht“ ist. Die deutschen Reviews zeigen vielmehr, dass EA zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen zusammenbringen will: Menschen, die Fußball möglichst direkt spielen wollen, und Menschen, die ihren Avatar, ihren Club und ihre soziale Präsenz über eine dauerhafte Spielwelt entwickeln möchten.

Karrieremodus: endlich sinnvollere Systeme, aber keine Revolution
Bei der Managerkarriere ist die Stimmung deutlich harmonischer. Mehrere deutsche Tests sehen hier die überzeugendste Weiterentwicklung abseits des Rasens.
Die alten Transfer-Cutscenes sind verschwunden. Statt stummer Figuren, die sich in repetitiven Animationen gegenübersitzen, laufen Verhandlungen nun funktionaler über Menüs und Telefonate. Das klingt zunächst nach Rückschritt in der Präsentation – in der Praxis empfinden PC Games und TVMovie genau diese Nüchternheit als Verbesserung, weil Vertragsgespräche schneller und weniger lästig werden.
Gleichzeitig sind die Verhandlungen tiefer geworden. Rückkaufklauseln, leistungsabhängige Boni, Gehaltskürzungen im Abstiegsfall und aktivere Konkurrenzklubs bringen mehr Reibung in den Transfermarkt. inGame lobt, dass Transfers sich dadurch stärker wie längere Transfer-Sagas anfühlen können und nicht mehr jede Verpflichtung auf direktem Weg durchgewunken wird.
Das interessantere System sind aber die dynamischen Gesamtwerte. Form, Moral, Fitness und Einsatzzeit beeinflussen, wie stark ein Spieler aktuell bewertet wird. Dadurch kann ein nominell schwächerer Profi vorübergehend vor einem höher bewerteten Teamkollegen landen. Gerade über längere Karrieren soll das Rotation und Kaderplanung stärker ins Gewicht fallen lassen.
Doch auch hier bleibt das Bild nicht makellos. play3 kritisiert die neuen Rivalitäten der Profikarriere als teilweise willkürlich: Wenn ein Bayern-Spieler plötzlich eine große persönliche Rivalität mit einem Akteur aus Elversberg entwickelt, fehlt der erzählerische Unterbau. Die Spielerkarriere wird insgesamt deutlich weniger tiefgreifend renoviert als der Managermodus.
Unterm Strich sehen die deutschen Reviews den Karrieremodus deshalb als sinnvolle Evolution statt Neuanfang. Für langjährige Spieler ist das mehr als Kosmetik, aber noch nicht die radikale Neuausrichtung, die sich manche nach Jahren ähnlicher Strukturen wünschen.

Ultimate Team: Die Galerie gefällt – das Geschäftsmodell bleibt der Streitpunkt
Bei Ultimate Team ist die Lage fast paradox. Die neue FUT-Galerie kommt erstaunlich gut an. Einmal besessene Karten bleiben dort als Sammlung sichtbar und können in thematischen Sets nach Clubs, Ligen, Nationen oder Kampagnen einsortiert werden. inGame beschreibt die Galerie treffend als eine Art digitales Panini-Album – eine Idee, die sehr gut zu dem passt, was Ultimate Team im Kern ohnehin seit Jahren ist.
Auch PC Games sieht das System positiv, weil es dem Sammeln einen dauerhafteren sichtbaren Zweck gibt. Gleichzeitig bleibt die eigentliche Spielökonomie weitgehend vertraut: Packs, Währungen, tägliche Aufgaben und die Möglichkeit, mit Echtgeld schneller zu einem stärkeren Kader zu kommen.
Genau hier bündeln sich die härtesten Vorbehalte. Eurogamer kritisiert Pay-to-win nicht nur in FUT, sondern auch bei der Entwicklung des eigenen Pros in The Grounds. 4P beschreibt Mikrotransaktionen und Glücksspielmechaniken als festen Bestandteil der FC-DNA und sieht in den neuen Modi keinen grundsätzlichen Bruch damit. inGame formuliert es etwas nüchterner: Die Galerie verpacke den Sammeltrieb besser, ändere aber nichts am Grundprinzip.
Damit ist Ultimate Team in den deutschen Reviews weder der große Verlierer noch der große Gewinner. EA verbessert Komfort und Sammelmotivation, ohne die zentrale Kritik am Geschäftsmodell wirklich anzutasten.
4P und PC Games liefern die wichtige Gegenstimme
Gerade weil play3, inGame und TVMovie insgesamt positiv auf FC 27 schauen, sind die zurückhaltenderen Stimmen wichtig.
4P nennt das Spiel in seinem vorläufigen Fazit weiterhin reaktiv, präzise und besonders im lokalen Spiel mit Freunden sehr unterhaltsam. Gleichzeitig listet der Test eine Reihe alter Probleme auf: Torwart-Bugs, überladene Menüs, Frustmomente gegen menschliche Gegner und eine Monetarisierung, die sich durch mehrere Modi zieht. Besonders der schnellere Wettbewerbsmodus stößt dort auf Kritik.
PC Games ist noch vorsichtiger. Die Redaktion veröffentlicht bislang bewusst nur erste Eindrücke. Dort gefällt das manuellere Verteidigen ebenso wie das chaotischere, weniger sterile Spielgefühl. Der Karrieremodus profitiert von den neuen Verhandlungen und dynamischen Ratings. Aber The Grounds wird deutlich skeptischer gesehen, und das bekannte Problem unausgewogener Schwierigkeitsgrade bleibt aus Sicht des Autors bestehen.
Diese Gegenstimmen relativieren den positiven Konsens nicht – sie machen ihn präziser. FC 27 scheint seine größten Fortschritte dort zu machen, wo die Reihe seit Jahren am dringendsten Arbeit brauchte: auf dem Rasen. Gleichzeitig verschwindet keines der strukturellen Probleme, die Fans seit Jahren begleiten.
Warum GameStar und andere große Tests noch fehlen
Wer derzeit nach einem endgültigen deutschen Pressespiegel sucht, bekommt ihn noch nicht. GameStar hat offen erklärt, den finalen Test erst rund um den regulären Release am 25. September zu veröffentlichen. Die Redaktion will Serverstabilität, Matchmaking und Online-Spielgefühl erst unter Live-Bedingungen bewerten; hinzu kommt, dass zum Start der Testphase zunächst nur eine PS5-Version vorlag.
Auch PC Games hat bislang ausdrücklich keinen finalen Test veröffentlicht. Das ist bei einem Spiel wie FC 27 kein nebensächlicher Punkt. Ultimate Team, Clubs, The Grounds und Online-Balancing lassen sich nach wenigen Stunden im dünn besetzten Vorabzugang nur begrenzt beurteilen.
Der derzeitige deutsche Pressespiegel ist also ein starkes Zwischenfazit, aber noch kein Schlussstrich.
Was bleibt vom deutschen Review-Bild?
Bislang ergibt sich ein ungewöhnlich klares Gesamtbild: EA SPORTS FC 27 ist für viele deutsche Tester das überzeugendste FC seit mehreren Jahren – nicht weil EA alles neu erfindet, sondern weil das eigentliche Fußballspiel wieder besser funktioniert.
Manuelles Verteidigen wird belohnt, das Ballverhalten wirkt lebendiger, Laufwege sind nachvollziehbarer und die Karriere bekommt Systeme, die tatsächlich in den Saisonalltag eingreifen. The Grounds ist mutig genug, um die Reihe sichtbar zu verändern, aber gerade deshalb auch ihr größter Streitpunkt. Wer eine soziale Fußballwelt will, findet darin womöglich den spannendsten neuen Modus seit Jahren. Wer möglichst wenig Metagame zwischen sich und dem nächsten Match sehen will, dürfte ihn eher als Umweg empfinden.
Und dann bleibt die alte EA-Frage: Wie viel Fortschritt ist ein besseres Spiel wert, wenn Pay-to-win, Währungsökonomie und Mikrotransaktionen gleichzeitig weiter Teil des Pakets bleiben?
Genau daran werden die ausstehenden Langzeittests rund um den Vollrelease entscheiden, ob FC 27 nur ein sehr guter Jahrgang ist – oder tatsächlich der Teil, mit dem EA die Serie nach mehreren vorsichtigen Iterationen wieder sichtbar nach vorne bringt.