Sega wollte Sonic einstellen – der erste Kinofilm änderte laut Iizuka den Kurs
Von Magnus Ohle Veröffentlicht 5 Minuten Lesezeit
Sonic the Hedgehog stand zeitweise deutlich näher am Ende, als es die heutige Größe der Marke vermuten lässt. Sonic-Team-Chef Takashi Iizuka hat auf der Tokyo Game Show 2026 erklärt, dass Sega während einer besonders schwierigen Phase sogar darüber nachgedacht habe, die gesamte Reihe einzustellen. Für Iizuka war ausgerechnet der erste Kinofilm von 2020 anschließend der entscheidende Wendepunkt.
Die Aussagen stammen aus einem ausführlichen Gespräch mit One More Game zum 35. Jubiläum von Sonic. Iizuka blickt darin nicht nur auf die beinahe eingestellte Serie zurück, sondern spricht auch darüber, wie Filme und jüngere Fans inzwischen die Richtung kommender Spiele beeinflussen.
Sega wollte die Sonic-Reihe komplett beenden
Iizuka beschreibt die 35-jährige Geschichte als Folge von Höhen und Tiefen. In einer der schwächsten Phasen hätten ihm Vorgesetzte bei Sega mitgeteilt, dass die gesamte Franchise eingestellt werden solle. Er habe intern darum kämpfen müssen, Sonic weiterzuführen.
Das passt zu früheren Aussagen des Entwicklers, wonach die Marke vor rund einem Jahrzehnt stark an Zugkraft verloren hatte und Iizuka unter anderem deshalb stärker in den USA am Wiederaufbau der Serie arbeiten sollte. Im aktuellen Interview formuliert er allerdings besonders deutlich, wie grundsätzlich diese Diskussion bei Sega gewesen sei.
Der erste Sonic-Film wurde zum Wendepunkt
Als wichtigsten Meilenstein nennt Iizuka nicht eines der Spiele, sondern den ersten Sonic-the-Hedgehog-Kinofilm von 2020. Der Erfolg des Films habe den Kurs der Franchise entscheidend verändert und Sonic einer neuen Generation nähergebracht.
Heute ist diese Entwicklung kaum zu übersehen: Sonic läuft parallel als Spielereihe, Kinomarke und Animations-Franchise weiter. Für Iizuka soll diese Verzahnung künftig noch regelmäßiger werden. Sega plane, möglichst in nahezu jedem Jahr neue Sonic-Medien zu veröffentlichen – ob Spiel, Film oder Animation.
Künftige Sonic-Spiele sollen stärker auf Geschichte setzen
Besonders interessant für die Spiele ist, was Iizuka über das veränderte Publikum sagt. Klassische Fans verbinden Sonic vor allem mit schnellem Action-Platforming. Viele jüngere Spieler hätten die Figuren dagegen zunächst über Filme und Serien kennengelernt und legten deshalb größeren Wert auf Charaktere und Handlung.
Iizuka möchte darauf reagieren. Für kommende Jahre wünsche er sich ein Sonic-Spiel, das stärker auf Story setzt, ohne die Videospiele als Kern der Marke aufzugeben. Gleichzeitig soll Sega die beiden etablierten Richtungen weiterführen: moderner Sonic mit seinem heutigen Stil sowie klassische 2D-Projekte in der Tradition von Sonic Mania und Sonic Origins.
Neues Sonic-Spiel ist bereits in Entwicklung
Inzwischen hat Iizuka die Zukunft der Reihe noch konkreter gemacht. In einem separaten Interview mit 4Gamer auf der Tokyo Game Show 2026 bestätigte der Serienproduzent ausdrücklich, dass sich ein neues Sonic-Spiel derzeit in Entwicklung befindet. Einen Titel, Plattformen oder einen Veröffentlichungstermin nannte er noch nicht.
Inhaltlich soll das Projekt die bisherigen Grenzen der Reihe weiter verschieben. Iizuka verweist auf die Color Powers aus Sonic Colors und die systemischen Neuerungen von Sonic Frontiers, sieht aber noch deutlich mehr Spielraum. Neue Ansätze bei Charakteren, Geschichte und Spielsystemen sollen zusammen eine Spielerfahrung ermöglichen, die es in dieser Form bei Sonic bislang nicht gab.
Das ist mehr als die zuvor formulierte Absicht, künftige Spiele stärker über Figuren und Story zu tragen: Sonic Team arbeitet bereits am nächsten Hauptprojekt. Gleichzeitig betont Iizuka, dass Sega sowohl die moderne 3D-Linie als auch klassische 2D-Spiele weiterentwickeln will. Welche dieser Richtungen das aktuelle Projekt einschlägt, bleibt offen.
Das offizielle TGS-2026-Special von Sonic Team mit Takashi Iizuka und mehreren Serienentwicklern.
Auch Shadow sollte ursprünglich verschwinden
Das Interview liefert noch ein zweites Beispiel dafür, wie stark Fanreaktionen die Serie verändert haben. Shadow war ursprünglich nicht als dauerhaft wiederkehrende Figur geplant. Nach Sonic Adventure 2 sollte seine Geschichte im Wesentlichen beendet sein. Seine Popularität führte jedoch dazu, dass Sonic Team ihn für Sonic Heroes zurückbrachte.
Durch den dritten Kinofilm sei Shadows Popularität laut Iizuka inzwischen noch einmal stark gestiegen. Der Sonic-Chef bezeichnet die Figur selbst als seinen Favoriten und möchte ihr künftig weitere Auftritte geben.
Sonic Adventure bleibt für Iizuka der wichtigste spielerische Wendepunkt
Unter den Spielen hebt Iizuka vor allem Sonic Adventure hervor. Der Wechsel von der 2D-Pixelfigur zu einem vollständig dreidimensionalen Sonic samt Sprachausgabe habe das Fundament für die moderne Version des Charakters gelegt.
35 Jahre nach dem ersten Sonic ist die bemerkenswerteste Erkenntnis aus dem Gespräch damit vielleicht weniger, dass Sega die Reihe einmal beenden wollte, sondern wie grundlegend sich ihre Rolle seitdem verändert hat: Die Spiele bleiben laut Iizuka das Zentrum – Filme und Animationen bestimmen inzwischen aber mit, welches Publikum diese Spiele erreichen und welche Geschichten Sonic Team künftig erzählen möchte.
Quelle: One More Game – Interview mit Takashi Iizuka auf der Tokyo Game Show 2026.