NeoGeo AES+ musste wegen Chipmangel neu konstruiert werden – Konsole stand vor dem Aus
Von Magnus Ohle Veröffentlicht 3 Minuten Lesezeit
Hinter der Verschiebung des NeoGeo AES+ steckt deutlich mehr als ein gewöhnlicher Lieferengpass. PLAION musste Teile des neuen Retro-Systems technisch neu konstruieren, nachdem die für die geplanten Cartridges benötigten Speicherchips praktisch nicht mehr beschaffbar waren. Nach Angaben des verantwortlichen Hardware-Teams stand zwischenzeitlich sogar eine vollständige Einstellung des Projekts im Raum.
PLAIONs Hardware-&-Software-Direktor Ben Jones schilderte die Hintergründe im Gespräch mit VGC auf der Tokyo Game Show. Nachdem die Vorbestellungen stärker als erwartet angelaufen waren, ging das Unternehmen in die Beschaffung – und bekam nach Jones‘ Darstellung erstmals seit beinahe zwei Jahrzehnten schlicht keine Zusage für die benötigten Chips.
Parallel-NOR-Flash war praktisch nicht mehr zu bekommen
Das konkrete Problem war Parallel-NOR-Flash. Genau diese Speichertechnik war für die neue Cartridge-Hardware vorgesehen, laut Jones aber praktisch nicht mehr verfügbar. Er reiste deshalb selbst nach Taiwan, um alternative Beschaffungswege zu prüfen. Selbst dort habe man mit Wartezeiten von rund sechs Monaten rechnen müssen, bevor eine Bestellung überhaupt in Betracht gezogen worden wäre.
PLAION führt die Situation auf die stark gestiegene Nachfrage nach Speicherkomponenten im Umfeld von KI-Rechenzentren zurück. Für das NeoGeo-Projekt war das besonders kritisch, weil bereits tausende der für die Cartridges entwickelten ASIC-Chips produziert worden waren.
Serial NOR statt Parallel NOR: Die Cartridges wurden umgebaut
Die Lösung entstand schließlich direkt in der Cartridge-Architektur. Statt des kaum verfügbaren Parallel-NOR-Speichers setzt PLAION nun auf besser beschaffbaren Serial-NOR-Flash. Weil die NeoGeo-Hardware ein paralleles Signal erwartet, musste das Team zusätzliche Technik entwickeln, die das serielle Signal entsprechend umwandelt.
Diese Änderung erforderte ein Redesign der Cartridge-Chips sowie zusätzliche Tests. Laut PLAION ist genau diese technische Arbeit der Hauptgrund dafür, dass der NeoGeo AES+ um rund zehn Monate verschoben wurde. CTO Bruno Steux erklärte gegenüber VGC, dass das Unternehmen andernfalls entweder erheblich länger hätte warten oder deutlich höhere Kosten akzeptieren müssen.
Release ist jetzt am 16. September 2027
Der neue Termin steht inzwischen fest: Auslieferung und Release des NeoGeo AES+ sollen am 16. September 2027 beginnen. PLAION REPLAI führt das System weiterhin zur Vorbestellung.
Am Grundkonzept ändert sich durch den Umbau nichts. Der NeoGeo AES+ ist keine Emulationsbox, sondern eine hardwaregetreue Neuimplementierung mit neu gefertigten ASIC-Chips. Er soll sowohl die neuen AES+-Cartridges als auch originale NeoGeo-AES-Cartridges abspielen. Dazu kommen HDMI-Ausgabe, der originale AV-Ausgang für CRTs, Schalter für Sprache, Display-Modi und Overclocking sowie ein kabelgebundener Arcade Stick im Stil des Originals.
Fünf weitere Spiele für die neue Hardware angekündigt
Parallel zum Hardware-Update hat PLAION das angekündigte Spieleangebot erweitert. Neu dazu kommen Zero Wing, Karnov’s Revenge, Magical Drop II & III, Spinmaster sowie Street Slam / Street Hoop. Damit sind bislang 15 Spiele für das neue System angekündigt. Weitere Third-Party-Partnerschaften seien bereits vereinbart.
Der offizielle NeoGeo-AES+-Trailer
PLAION und SNK zeigen das System im offiziellen „The Dream“-Trailer:
Quellen: VGC – Interview mit PLAION auf der Tokyo Game Show 2026; PLAION REPLAI – offizielle Produktseite des NeoGeo AES+.