CONTROL Resonant im Testspiegel: Das sagt die deutsche Presse zum Remedy-Nachfolger
ab 33,34 € kaufen Von Magnus Ohle 7 Minuten LesezeitDas Review-Embargo für CONTROL Resonant ist gefallen und die ersten deutschsprachigen Tests zeichnen bereits ein ziemlich klares Bild: Remedys Wechsel vom Shooter zum nahkampflastigen Action-RPG funktioniert erstaunlich gut, aber nicht jede Veränderung sitzt von Anfang an.
Das erwartet dich hier
Besonders häufig gelobt werden das verzerrte Manhattan, Dylans extrem bewegliche Steuerung, die ungewöhnlichen Nebenmissionen und die audiovisuelle Inszenierung. Deutlich kritischer fallen die Urteile über den langsamen Story-Start, Grind im Fortschrittssystem und eine gewisse Wiederholung in längeren Kampfserien aus.
Die deutschen Tests im Überblick
| Medium | Wertung | Kernaussage |
|---|---|---|
| GamePro | 80/100 | Außergewöhnliches Actionspiel mit famosem Movement und starker Welt, aber schleppendem Einstieg, Grind und kleineren Technikproblemen. |
| GameStar | noch keine finale Wertung | Nach rund 18 Stunden sehr begeistert von Erkundung, Geheimnissen und Remedy-Absurdität. Der Test ist ausdrücklich noch vorläufig. |
| PC Games Hardware | Techniktest | Die Northlight-Engine läuft sauber und ohne klassische Nachladeruckler, verlangt für Ray- und Pathtracing aber kräftige Hardware. |
GamePro: 80 Punkte trotz großer Begeisterung
GamePro vergibt 80 von 100 Punkten. Interessant ist dabei, dass die eigentliche redaktionelle Wertung zunächst bei 82 Punkten liegt und wegen technischer Probleme um zwei Punkte reduziert wird. Im Test auf PS5 und PS5 Pro fallen gelegentliche Ruckler in Ladebereichen sowie sichtbares Kantenflimmern auf der Standard-PS5 auf.
Spielerisch fällt das Urteil deutlich positiver aus. GamePro hebt vor allem Dylans Movement hervor: Sprint, Doppelsprung, Luft-Dash, Schweben und die später freigeschaltete Greifhaken-Fähigkeit greifen so präzise ineinander, dass bereits die Fortbewegung durch Manhattan einen großen Teil des Reizes ausmacht. Auch Trefferfeedback, Erkundung, Rätsel und die spektakulär inszenierten Bosskämpfe gehören zu den größten Stärken.
Beim Kampfsystem braucht Resonant laut GamePro allerdings Zeit. Erst nach ungefähr 15 Stunden entfaltet das Zusammenspiel aus Aberrant-Formen, Fähigkeiten und Builds seine volle Stärke. Bis dahin können die begrenzten Kombomöglichkeiten einzelne Gefechte repetitiv wirken lassen.

Der größte Streitpunkt: Grind und Pacing
Die härteste Kritik von GamePro betrifft den Fortschritt. Bestimmte Upgrades verlangen Ressourcen und damit zusätzliche Kämpfe oder Erkundung abseits der Hauptgeschichte. Der Grind sei nicht bloß optional, sondern könne notwendig werden und dadurch das Tempo der Kampagne bremsen.
Gleichzeitig wird das System durch einen umfangreichen Assist Mode abgefedert. Schwierigkeit, Gegnerverhalten und weitere Parameter lassen sich anpassen, während gute Rücksetzpunkte Frust nach Niederlagen begrenzen. Wer primär Story und Atmosphäre erleben möchte, bekommt damit deutlich mehr Spielraum als in einem klassischen Soulslike.
Manhattan ist der eigentliche Star
Beim Schauplatz herrscht deutlich mehr Einigkeit. GamePro beschreibt Manhattan als extrem atmosphärisch und hebt die abwechslungsreiche Befüllung der Welt, ungewöhnliche Nebenmissionen und hunderte Dokumente mit Hintergrundinformationen hervor. Der Umfang wird mit rund 50 Stunden angegeben, wenn Nebeninhalte umfassend mitgenommen werden.

Auch GameStar ist nach rund 18 Stunden vor allem von der Erkundung begeistert. Der bislang noch nicht abgeschlossene Test beschreibt Resonant sinngemäß als riesigen Abenteuerspielplatz, in dem hinter fast jeder Ecke ein Geheimnis oder eine absurde Situation wartet. Wer bereits im ersten Control Freude daran hatte, abseits des offensichtlichen Weges nach seltsamen Objekten, Nebenräumen und Lore zu suchen, scheint hier besonders gut bedient zu werden.
Die GameStar-Einschätzung ist allerdings noch kein finales Review. Testerin Natalie Schermann musste den Durchlauf krankheitsbedingt nach etwa 18 Stunden unterbrechen. Entsprechend gibt es noch keine endgültige Wertung.
Story: typisch Remedy, aber Dylan braucht lange
Die Geschichte spaltet die ersten deutschen Stimmen stärker. GamePro lobt die Science-Fiction-Welt, die absurden Nebenmissionen und mehrere Figurenbegegnungen, sieht bei der Hauptgeschichte aber einen klaren Schwachpunkt: Dylan und der zentrale Plot brauchen lange, um wirklich Fahrt aufzunehmen.
Das passt auch zu den ersten internationalen Tests, die kurz vor dem Embargo auftauchten. Dort wurde ebenfalls ein langsamer und teilweise repetitiver Einstieg kritisiert, während Atmosphäre und Kampf das Spiel zusammenhalten. Für ein Remedy-Spiel ist das bemerkenswert, weil die erzählerische Seite normalerweise zu den größten Kaufargumenten des Studios gehört.
Wer dagegen vor allem auf das größere Remedy Connected Universe, paranatürliche Akten, bizarre Nebenfiguren und ungewöhnliche Schauplätze aus ist, bekommt offenbar trotzdem reichlich Material. Die Kritik richtet sich weniger gegen die Welt selbst als gegen Tempo und Fokus der Hauptgeschichte.
Präsentation: fantastische Effekte, schwächere Gesichter
GamePro lobt Sounddesign und Effektgewitter ausdrücklich. Gleichzeitig bleibt eine Schwäche des Vorgängers sichtbar: Gespräche wirken teilweise steif, Gesichtsanimationen können mit den spektakulären Actionsequenzen nicht mithalten und die deutsche Synchronisation läuft nicht immer sauber lippensynchron.
Während der Testphase trat zudem ein Bug auf, bei dem deutsche und englische Sprachausgabe stellenweise ineinanderliefen. Remedy arbeitet laut GamePro bereits an einer Behebung.
PS5 und PS5 Pro: drei Grafikmodi
GamePro hat die Konsolenfassungen auch technisch vermessen. Auf der Standard-PS5 zielt der Leistungsmodus auf 60 fps bei etwa 810p interner Auflösung. Der Qualitätsmodus liefert stabile 30 fps bei ungefähr 1296p, während der ausgewogene Modus mit etwa 1188p meist um 39 bis 40 fps liegt.
Auf PS5 Pro steigen die gemessenen Auflösungen: rund 972p bei 60 fps im Leistungsmodus, 1620p bei 30 fps inklusive Raytracing im Qualitätsmodus und etwa 1404p bei rund 40 fps samt Raytracing im ausgewogenen Modus. Vor allem auf der Standard-PS5 kann Kantenflimmern sichtbar werden.
PCGH: technisch sauber, aber Pathtracing kostet
Die ausführlichste deutsche PC-Analyse kommt von PC Games Hardware. Positiv fällt dort zunächst auf, dass CONTROL Resonant keine Raytracing-GPU voraussetzt. Rasterizing funktioniert vollständig ohne RT-Hardware und die Northlight-Engine zeigt laut PCGH keine auffälligen Nachladeruckler.
Die native GPU-Last ist trotzdem hoch. Schon ohne Raytracing verfehlen viele Karten bei nativer Auflösung die 60-fps-Marke. Upsampling bringt deshalb einen großen Performancegewinn, wobei PCGH die Bildqualität selbst in den Quality- und Balanced-Stufen als überzeugend einschätzt.
Raytracing und besonders Pathtracing sind dagegen klar High-End-Terrain. Erst aktuelle starke Grafikkarten können die volle Beleuchtungspracht mit hohen Bildraten stemmen. Interessant: Im direkten Vergleich läuft Resonant laut PCGH auf allen getesteten GPUs besser als Alan Wake 2.
Probleme gibt es allerdings bei Intel Arc. Modelle der älteren Alchemist-Generation stürzten im Test wiederholt ab, während eine Arc B580 zwar stabil lief, aber einen Farbfehler bei Dylans Bewegungseffekt zeigte.
Wo sich die deutschen Tests einig sind
Aus den bisher veröffentlichten deutschsprachigen Tests und Technikmessungen lassen sich mehrere klare gemeinsame Linien erkennen:
- Manhattan funktioniert: Die offenere Struktur verliert offenbar nicht den typischen Remedy-Charakter und belohnt neugierige Erkundung.
- Movement ist eine große Stärke: Dylan bewegt sich schnell, präzise und vertikal durch die Welt. Das trägt sowohl Exploration als auch Kämpfe.
- Der Nahkampf ist besser als viele Previews befürchten ließen: Er braucht allerdings mehrere Stunden und zusätzliche Fähigkeiten, bis er richtig aufblüht.
- Die Story startet langsam: Gerade für Remedy-Verhältnisse fällt auf, dass Hauptplot und Dylan zunächst weniger stark wirken als Welt und Nebeninhalte.
- Grind ist der problematischste RPG-Baustein: Ressourcen- und Upgrade-Anforderungen können das ansonsten flotte Tempo ausbremsen.
- Technisch ist das Spiel ambitioniert, aber nicht kaputt: PCGH sieht eine saubere Engine-Grundlage, GamePro kleinere Konsolenprobleme statt schwerer Fehler.
Was bedeutet das für Fans des ersten Control?
CONTROL Resonant scheint kein konservatives Control 2 zu sein. Wer vor allem Jesses Service Weapon und den distanzlastigen Shooter-Rhythmus des Originals zurückhaben wollte, muss sich auf einen deutlich anderen Schwerpunkt einstellen. Dylan spielt sich aggressiver, körperlicher und wesentlich RPG-lastiger.
Gleichzeitig deuten die deutschen Tests darauf hin, dass Remedy seine eigentliche Identität nicht verloren hat. Die Welt ist weiterhin absurd, unheimlich und voller Dinge, die nicht nach Standard-Open-World aussehen. Gerade die Kombination aus surrealer Stadt, vertikalem Movement und experimentellen Nebenmissionen wird bislang stärker gelobt als klassische Open-World-Masse.

Der derzeitige deutsche Testspiegel wirkt deshalb weniger wie ein uneingeschränktes Meisterwerk-Urteil und mehr wie ein sehr gutes, ungewöhnliches Remedy-Spiel mit klar sichtbaren Reibungsflächen. Die spannendste Frage bleibt, wie stark Story, Kampfsystem und Grind über die komplette Laufzeit tragen. GamePro beantwortet das mit 80 Punkten positiv, aber nicht euphorisch. GameStar ist nach 18 Stunden deutlich enthusiastischer, hat sein endgültiges Urteil jedoch noch nicht gefällt.
Alle bestätigten Informationen zu Release, Plattformen, Gameplay, PC-Anforderungen und Remedys neuer Manhattan-Struktur findest du auf unserer Spielseite zu CONTROL Resonant.