Denuvo verklagt Cracker voices38 wegen 26 Spielen
Von Magnus Ohle Veröffentlicht 3 Minuten Lesezeit
Denuvo zieht gegen einen der derzeit auffälligsten Cracker der PC-Szene vor Gericht. Die Denuvo GmbH hat am 14. September 2026 beim US District Court for the Northern District of California Klage gegen die bislang nicht identifizierte Person oder Organisation hinter dem Namen voices38 eingereicht. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 5:26-cv-10423.
Nach Darstellung von Denuvo soll voices38 die Anti-Tamper-Technik des Unternehmens bei insgesamt 26 Spielen umgangen und entsprechende Patches verbreitet haben. Zu den in Berichten über die Klageschrift genannten Titeln zählen unter anderem Black Myth: Wukong, Hogwarts Legacy, Doom: The Dark Ages, Resident Evil Requiem und Pragmata. Entscheidend ist dabei: Das sind zunächst Vorwürfe der Klägerin. Eine gerichtliche Feststellung zur Verantwortung von voices38 gibt es bislang nicht.
Warum Denuvo selbst klagt
Der Fall ist ungewöhnlich, weil nicht ein Spiele-Publisher wegen einer Raubkopie vor Gericht zieht, sondern der Anbieter der Schutztechnik selbst. Denuvo gehört zu Irdeto und bietet seine Anti-Piracy- und Anti-Tamper-Lösungen Entwicklern und Publishern als zusätzliche Schutzschicht für PC-Spiele an. Das Unternehmen wirbt damit, Reverse Engineering und das Entfernen beziehungsweise Umgehen von Schutzmechanismen zu erschweren.
Die Klage setzt deshalb vor allem bei den US-amerikanischen Regeln gegen die Umgehung technischer Schutzmaßnahmen an. Denuvo verlangt nach übereinstimmenden Berichten unter anderem Schadenersatz und eine gerichtliche Verfügung gegen weitere Umgehungen und deren Verbreitung.
Die Identität hinter voices38 ist noch unbekannt
Bevor es überhaupt zu einem klassischen Verfahren gegen eine konkrete Person kommen kann, muss Denuvo allerdings herausfinden, wer hinter voices38 steckt. In der Klageschrift wird der Beklagte als unbekannte Person oder Organisation geführt. Nach Berichten über die Unterlagen nennt Denuvo einen Discord-Account, einen Reddit-Account und mehrere Steam-Profile, die mit voices38 in Verbindung stehen sollen.
Damit dürfte der nächste wichtige Schritt die Identifizierung des Beklagten werden. Denuvo könnte versuchen, über gerichtliche Auskunftsersuchen an Plattformbetreiber die zu den Accounts gespeicherten Daten zu erhalten. Ob diese Spuren tatsächlich zur Person hinter voices38 führen, ist offen.
26 Spiele machen den Fall für die Branche relevant
Für die Spielebranche ist die Klage vor allem deshalb bemerkenswert, weil Denuvo hier nicht nur technisch gegen neue Umgehungsmethoden arbeitet. Ein erfolgreicher juristischer Zugriff auf einen anonym auftretenden Cracker könnte auch für künftige Fälle eine zusätzliche Abschreckungswirkung entfalten. Umgekehrt befindet sich das Verfahren noch ganz am Anfang: Bislang dokumentiert das öffentliche Gerichtsregister im Wesentlichen die eingereichte Klage und die dazugehörigen ersten Verfahrensunterlagen.
Das öffentliche Docket bei Justia bestätigt Denuvo GmbH als Klägerin, Voices38 als Beklagten, das Aktenzeichen 5:26-cv-10423 und den Eingang der Klage am 14. September 2026. Denuvos aktuelle Produktseite beschreibt die eigenen Anti-Piracy-Lösungen wiederum ausdrücklich als Schutz gegen Cracks sowie als Grundlage für Takedowns und weitere Durchsetzungsmaßnahmen.
Ob Denuvo voices38 identifizieren kann und wie das Gericht die geltend gemachten Ansprüche bewertet, bleibt damit die eigentliche offene Frage. Bis zu einer Entscheidung sind die in der Klage beschriebenen Handlungen als Behauptungen von Denuvo zu behandeln.